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Der Kameramann Albert Ammer (1916-1991)

     
  Foto: Archiv Jutta-Regina Ammer   Albert Ammer mit seiner Assistentin und späteren Ehefrau beim Filmen auf einem Lastwagen der Demonstranten (Quelle: BStU,Ast. Halle,AU 236/54,Bd. I)
   
 

"Ich war mit Dreharbeiten für die DEFA in Halle beschäftigt, als der Volksaufstand am 17. Juni ausbrach. Ein Ereignis, welches wir schon lange erwarteten und wünschten. Mit meiner Kamera filmte ich das jubelnde Volk, wie wir es schon viele Jahre nicht mehr kannten. Die Befreiung der politischen Häftlinge aus dem Zuchthaus (...) Unruhen am Tor vom Zuchthaus ROTER OCHSE. Weiter Filmaufnahmen von der großen Demonstration. Russische Panzer griffen ein, riegelten die Stadt ab, aller Verkehr ruhte. Das waren die letzten Filmaufnahmen für Jahre für mich. Mit diesen wertvollen Filmaufnahmen konnte ich die Stadt nicht mehr verlassen (...) Am 18. Juni wurde  ich verhaftet und lernte im ROTEN OCHSEN die Grausamkeiten des SSD (Staatssicherheitsdienst, Anm.) in der Zone kennen. Ich konnte mich zu keiner Schuld bekennen, da ein Kameramann immer berechtigt ist, besondere Ereignisse festzuhalten, zumal ich gezwungenermaßen diese Filme den Herrschern aushändigte. Nach ca. 5 Wochen musste ich zum Verhör. Immer nur in der Nacht. Nach 3 Monaten musste ich vor den Richter. Nur was gegen mich sprach, wurde zu Protokoll genommen. Das waren Lügen. Wer für mich sprach, musste sich gleich  wieder setzen. Für mich gab es keine Verteidigung. Ich bekam 3 Jahre Zuchthaus, Einzug meiner Normalfilmkamera, Berufsverbot und Führerscheinentzug. Gnadengesuche waren erfolglos. Volle  3 Jahre musste ich absitzen. Die Haftzeit verbrachte ich in den Zuchthäusern Halle und Waldheim."
Albert Ammer, Persönliche Aufzeichnungen 1962

Nach der Haftentlassung 1956 flüchtete Ammer über Berlin nach München. Dort war er für den Bayrischen Rundfunk noch 25 Jahre als Kameramann weltweit unterwegs. Albert Ammer wurde 1991 rehabilitiert und starb 1991 im Alter von 75 Jahren.

 

 
    Ammers  Originalfilmrollen vom 17. Juni 1953 sind bis heute verschollen, aber nach Öffnung der Stasi-Akten fanden sich Fotoabzüge in der Akte eines weiteren Verurteilten des 17. Juni 1953. Vermutlich wurden die Aufnahmen aus dem Film herausgeschnitten, um einzelne Teilnehmer des Aufstandes zu identifizieren, z.B. die Streikführer Rudolf Weber und Herbert Gohlke – beide wurden auf dem Hallmarkt in das "Zentrale Streikkomitee" gewählt. Während Gohlke noch rechtzeitig flüchten konnte, wurde Weber am 23. Juni 1953 verhaftet und zu 10 Jahren Haft verurteilt. Nach Verbüßung der Strafe war der kriegsversehrte Rudolf Weber gesundheitlich schwer geschädigt. Er starb in den 80er Jahren in Halle.
Rudolf Weber  

Herbert Gohlke (winkend)