| zurück zur Übersicht |  
 
 




Große Ulrichstraße 2
In diesem Haus wohnten der Zahnarzt Dr. med. Leo Lewinsky und der Rechtsanwalt Kurt Bauchwitz.

Die beiden Männer waren Witwer. Nach Erlass der "Rasse"-Gesetze, nach denen Juden und "Arier" nicht mehr miteinander in einem Hause leben durften, zwangen die Nationalsozialisten die beiden Männer ihre Wohnungen zu verlassen und in so genannte "Judenhäuser" zu ziehen.

Dr. Lewinsky wurde die Boelckestr. 24 (heute Dessauer Str.) zugewiesen. Die Nazis hatten die jüdische Gemeinde gezwungen die hier befindliche Trauerhalle des jüdischen Friedhofs in ein Wohnlager umbauen zu lassen, um die aus ihren Wohnungen Vertriebenen bis zur Deportation aufzunehmen. 1943 wurde Dr. Lewinsky ins Ghetto Theresienstadt verschleppt. Er starb dort einen Monat später im Alter von 64 Jahren. Seiner Tochter und ihrem Ehemann gelang die Flucht in die USA. Dort leben heute auch diee drei Enkelkinder.

Kurt Bauchwitz wurde in das Haus Hindenburgstr.63 (heute Magdeburger Str.) eingewiesen. Hier schloss er am 20.4.1942 die Ehe mit Elsa Burghardt, die ebenfalls aus ihrer Wohnung vertrieben worden war. Nur drei Wochen später, am 10.5.1942, kurz vor der drohenden Deportation, nahm sich Elsa Burghardt im Hafen Trotha das Leben. Kurt Bauchwitz wurde am 1.6.1942 mit einem von Kassel über Halle fahrenden Häftlingstransport in das KZ Sobibor verschleppt und noch am Tag der Ankunft ermordet. Er war 61 Jahre alt. Seiner Tochter (aus erster Ehe) gelang die Flucht in die USA, Bruder und Schwägerin wurden ebenfalls in Konzentrationslagern getötet.

 





Quellen:

Privatarchiv Gudrun Goeseke

http://www.gedenkbuch.halle.de
Volkhard Winkelmann und Schülerprojekt "Juden in Halle" des Südstadt-Gymnasiums Halle (Hrsg.)
"Unser Gedenkbuch für die Toten des Holocaust in Halle"
Halle 2004, 2. Auflage, weitere Aktualisierungen eingeschlossen