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Halberstädter Straße 13

Burghardt und Becher um 1990

Todesanzeige für Gerson Burghardt
Hier wohnten Elsa Bauchwitz geb. Burghardt, Lina Burghardt geb. Schönheim, Siegfried Burghardt und Marie Burghardt geb. Bach

Lina Burghardt und Marie Burghardt waren Witwen. Sie lebten hier gemeinsam mit Maries Tochter Elsa. Auch Linas Sohn Fritz war vor seiner Verhaftung Bewohner dieses Hauses. Die verstorbenen Ehemänner und Väter, die Brüder Moritz und Gerson Burghardt, waren Teilhaber des Kaufhaus Burghardt&Becher in der Leipziger Straße. Das eigentliche Kaufhausgebäude wurde beim Bombenangriff auf Halle zerstört, aber noch in den 90er Jahren konnte man an den dahinter befindlichen Lagergebäuden die Aufschrift Burghardt&Becher erkennen (Abb.). Heute steht auf diesem Grundstück der Neubau des Kaufhauses C&A.

Linas Burghardts Ehemann Gerson starb 1930 (Abb.). Der älteste Sohn Siegfried (Fritz) Burghardt wurde im Juli 1938 (noch vor der Pogromnacht) verhaftet und ins KZ Buchenwald gebracht. Dort starb er am 2.März 1939 im Alter von 49 Jahren. Der Mutter wurde die Urne des Sohnes aus Buchenwald geschickt und am 27.März auf dem jüdischen Friedhof Dessauer Straße beigesetzt. Da der jüdische Ritus Leichenverbrennungen und Urnenbeisetzungen nicht gestattet, wurde eine Ecke des Friedhofs für die Aufnahme von Urnen, die in dieser Zeit noch aus den Konzentrationslagern eintrafen, hergerichtet. Heute befindet sich an dieser Stelle ein Gedenkstein. Tochter Hedwig, verheiratet mit Arthur Pollak, starb 1941. Nur Sohn Walter überlebte. Er starb 1964 in Frankreich.

Marie Burghardt und Ehemann Moritz hatten 3 Töchter und 2 Söhne. Marie geb. Bach war keine Jüdin von Geburt, trat aber vor der Hochzeit zum Judentum über. Moritz Burghardt starb 1907. Tochter Elsa lebte bei der Mutter.
Als nach den "Rassegesetzen" Juden und "Arier" nicht länger miteinander in einem Hause leben durften, wurden Lina, Marie und Elsa Burghardt aus der gemeinsamen Wohnung vertrieben und in die Hindenburgstr.34 (heute Magdeburger Str.7), ein so genanntes "Judenhaus", eingewiesen. Hier heiratete Elsa Burghardt am 20.April 1942 den ebenfalls aus seiner Wohnung vertriebenen Rechtsanwalt Kurt Bauchwitz, der im "Judenhaus" Hindenburgstr.63 leben musste (dieses Haus existiert nicht mehr, es wurde 1945 bei der Bombardierung Halles zerstört). Drei Wochen später, am 10.Mai 1942 - kurz vor der drohenden Deportation - nahm sich Elsa Bauchwitz geb. Burghardt im Hafen Trotha das Leben. Sie war 58 Jahre alt. Ihr Ehemann Kurt Bauchwitz wurde gemeinsam mit 154 weiteren Juden am 1.Juni 1942 von Halle nach Sobibor bei Lublin deportiert und dort am 3.Juni 1942 mit Gas ermordet.
Lina Burghardt wurde am 19.September 1942 zusammen mit 72 weiteren jüdischen Hallensern ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort starb sie 77-jährig am 17.Januar 1944.
Marie Burghardt gilt als verschollen.
Den beiden anderen Töchtern gelang die Flucht in die USA und die Söhne Alfred und Rudolf flüchteten 1939 nach Shanghai.

Siehe auch STOLPERSTEINE für Kurt Bauchwitz, Große Ulrichstraße 2 und Arthur Pollak, Große Ulrichstraße 27

 



Quellen:

Privatarchiv Gudrun Goeseke

http://www.gedenkbuch.halle.de
Volkhard Winkelmann und Schülerprojekt "Juden in Halle" des Südstadt-Gymnasiums Halle (Hrsg.)
"Unser Gedenkbuch für die Toten des Holocaust in Halle"
Halle 2004, 2. Auflage, weitere Aktualisierungen eingeschlossen