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Hansering 17 - heute Parkplatz der Sparkasse



Hansering 17

Hansering vor 1945

Hansering heute

Emil L. Fackenheim
Foto: Koelbl

Hier wohnten Adolf Goldberg und Erna Goldberg geb. Fackenheim

Adolf Goldberg wurde 1898 in Marburg/ Lahn geboren. Mit 17 Jahren meldete er sich als Kriegsfreiwilliger zum Einsatz im 1.Weltkrieg. Nach einer schweren Verwundung musste ein Bein amputiert werden.
Der Rechtsanwalt heiratete die Hallenserin Erna Fackenheim und stieg als Sozius in die Kanzlei ihres Bruders Julius Fackenheim ein. Die gemeinsame Kanzlei befand sich im Haus Große Steinstr.12. Die Anwälte hatten eine Zulassung für das Oberlandesgericht Naumburg und die Landgerichtsbezirke Halle, Naumburg und Torgau.

Am 14.November 1938, wenige Tage nach den Ausschreitungen in der "Pogromnacht" nahm sich seine Frau Erna das Leben. "Mein tapferer, guter Kamerad" ließ er auf ihren Grabstein schreiben.
Am 27.August 1939 emigrierte sein Schwager Julius Fackenheim mit seiner Frau nach England.
Adolf Goldberg wurde am 7.Oktober 1940 verhaftet und am 18.Dezember 1941 ins KZ Buchenwald gebracht. Dort wurde er als "Häftling Nr. 2073" und "Polit.-Jude" und ab 31.Dezember 1942 als "K-Häftling" mit dem Vermerk "Sträfling" in einer Unterabteilung der Strafkompanie geführt. Am 12.März 1942 wurde er aus dem KZ Buchenwald zur "Sonderbehandlung 14f13" in die Heilanstalt Bernburg überführt und dort im Keller in einer eigens dafür eingerichteten Gaskammer ermordet. Zur Verschleierung der Morde in der "T4-Anstalt" Bernburg legte der SS-Lagerarzt von Buchenwald beim Standesamt Weimar Sterbedokumente mit gefälschten Daten vor.
Im Keller der Bernburger Anstalt, dort wo sich der Verbrennungsofen für die Ermordeten befindet, erinnert seit 2002 eine von Emil L. Fackenheim gestiftete Tafel an seinen Onkel Adolf Goldberg.

Erna Goldberg geb. Fackenheim wurde am 16.Juli 1893 in Halle geboren. Über ihr persönliches Leben ist außer der Heirat mit Adolf Goldberg und ihrer Selbsttötung - drei Tage nach der "Pogromnacht" - nur wenig bekannt.
Ihr Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof, Humboldtstraße 52. Der Stein trägt die Inschrift: "Hier ruht meine Frau Erna Goldberg geb. Fackenheim […] mein tapferer, guter Kamerad."
Aus der Ehe ihres neun Jahre älteren Bruders Julius Fackenheim gingen drei Söhne hervor.
Einer von ihnen ist der 1916 in Halle geborene Emil Fackenheim. Er war einer der letzten Absolventen der von Leo Baeck geleiteten renommierten Jüdischen Theologischen Hochschule in Berlin. Zu seinen Lehrern gehörte auch Martin Buber.
Aus der KZ-Haft in Oranienburg kam er nach einigen Wochen wieder frei und konnte emigrieren.
Er wurde Rabbiner in Toronto und 1960 Professor an der dortigen Universität. Seit 1983 lebte er in Jerusalem, wo er 2003 starb. Der Religionsphilosoph und Rabbiner Emil Fackenheim gilt als einer der bedeutendsten jüdischen Denker im 20. Jahrhundert.
Sein 1999 erschienenes Buch "Was ist Judentum? Eine Deutung für die Gegenwart" enthält folgende Widmung:
"Dem Andenken an Adolf Goldberg, meinen Onkel. Freiwilliger im 1.Welkrieg. Schwer verwundet und Invalide. Ermordet auf Himmlers Geheimbefehl in der Kategorie ‚schwachsinnige und verkrüppelte Häftlinge' am 12./13. März 1942."





Quellen:

Privatarchiv Gudrun Goeseke


http://www.gedenkbuch.halle.de

Volkhard Winkelmann und Schülerprojekt "Juden in Halle" des Südstadt-Gymnasiums Halle (Hrsg.)
"Unser Gedenkbuch für die Toten des Holocaust in Halle"
Halle 2004, 2. Auflage, weitere Aktualisierungen eingeschlossen