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Kleine Ulrichstraße 38 (früher 37)

Kl.Ulrichstr. 37
Foto: Archiv AKI

Hier wohnte Alfred Willi Tilke

Alfred Willi Tilke wurde am 28.Januar 1899 in Alt-Jäschwitz geboren. Er bekannte sich zu den Zeugen Jehovas. Die Religionsgemeinschaft (bis 1931 unter dem Namen "Bibelforscher" bekannt) verweigerte jede Zusammenarbeit mit dem Staat, so auch Hitlergruß und Wehrpflicht und wurde 1933 verboten. Am 12. Dezember 1936 wurde von Zeugen Jehovas deutschlandweit eine Resolution verteilt, die neben religiösem Bekenntnis auch auf ihre Verfolgung aufmerksam machte: "… wir rufen alle gutgesinnten Menschen auf, davon Kenntnis zu nehmen, dass Jehovas Zeugen in Deutschland ... grausam verfolgt, mit Gefängnis bestraft … misshandelt und manche von ihnen getötet werden…" Allein in Halle wurden 4000 Exemplare dieses Textes verteilt.
Die "Hallischen Nachrichten" berichteten am 13. Mai 1937 : "… erfreulicherweise hat [kürzlich] das Sondergericht in Halle durchgegriffen und 23 dieser Unbelehrbaren zu empfindlichen Gefängnisstrafen verurteilt…Kein Staat kann sich eine derartige Mißachtung seiner Gesetze und Verbote gefallen lassen, um so weniger, wenn es sich um so gefährliche dunkle Machenschaften handelt, die sich jeder deutsche Volksgenosse verbitten muß."
Alfred Willi Tilke war unter den 23 Verurteilten und erhielt eine 2-jährige Gefängnisstrafe nach deren Verbüßung er ins KZ Neuengamme deportiert wurde. Dort starb der Ehemann und Vater eines Sohnes 41-jährig am 9. April 1940.

Die Verfolgung der Zeugen Jehovas ging ab 1950, nach einem erneuten Verbot, auch in der DDR weiter und endete erst 1990, als die erste frei gewählte Volkskammer der Religionsgemeinschaft das Recht der freien Ausübung ihres Glaubens zurückgab. Über 50 Zeugen Jehovas verstarben in DDR-Gefängnissen.

Heute sind die Zeugen Jehovas, gleichberechtigt mit anderen Glaubensgemeinschaften, als Religionsgemeinschaft öffentlichen Rechts anerkannt.
Das ehemalige Wohnhaus Kleine Ulrichstr.37 (die "Schützei") wurde in den 90er Jahren abgerissen, durch einen Anbau des "Händelhauses" ersetzt und zählt heute als Kleine Ulrichstraße 38.


 


Quellen:

Privatarchiv Gudrun Goeseke

http://www.gedenkbuch.halle.de
Volkhard Winkelmann und Schülerprojekt "Juden in Halle" des Südstadt-Gymnasiums Halle (Hrsg.)
"Unser Gedenkbuch für die Toten des Holocaust in Halle"
Halle 2004, 2. Auflage, weitere Aktualisierungen eingeschlossen