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Rathenauplatz 3 (damals Kaiserplatz)

Rechts Gerhard Müller
Foto: Gedenkbuch)

Hier wohnten Henny Müller geb. Rosenberg und Gerhard Müller

Daten aus den letzten Lebensjahren von Henny Müller, geb.Rosenberg:
1937 stirbt ihr Mann, der Luxusschuh-Lederfutter-Fabrikant Waldemar Müller;
1938 stirbt Emil Müller, ein Bruder ihres Mannes, im KZ Sachsenhausen;
1939 gelingt ihrer 26jährigen Tochter Lieselotte die Flucht nach England;
1941 geht Betty Stein, die in Köln lebende Schwester ihres Mannes gemeinsam mit ihrem Ehemann in den Tod. Beide werden auf eigenen Wunsch auf dem jüdischen Friedhof in Halle, Humboldtstr. 52 bestattet.
Am 1. Juni 1942 wird die 58-Jährige gemeinsam mit einem weiteren Bruder ihres Mannes, Rechtsanwalt und Notar Dr. Albert Müller, dessen Ehefrau Elsa und 152 weiteren Juden von Halle nach Sobibor bei Lublin deportiert und dort am 3. Juni 1942 mit Gas ermordet.
Irmgard Müller, die Tochter von Albert und Elsa Müller, überlebte mehrere Konzentrationslager und ging nach ihrer Befreiung aus dem KZ Auschwitz in die USA, wohin bereits 1934 auch ihr Bruder Hans Joachim über Panama geflüchtet war.

Gerhard Müller wurde 1920 geboren. Ein Angehöriger erinnert sich seines "hilflosen Vetters Gerd", der zu einer "besonders stark deutsch eingestellten Familie" gehörte, die dadurch noch mehr als andere unter den "neuen Umständen" litt. Gerhard wurde "in Berlin kaserniert" (möglicherweise in einer Heilanstalt), wo er sterilisiert werden sollte. Um 1937 flüchtete er ganz allein und ohne Begleitung in die Schweiz. Dort war er sehr unglücklich und fuhr zu einem Cousin, der in Italien lebte. Weil auch dort die Lage des Cousins zunehmend unsicher wurde, musste Gerhard Müller wieder in die Schweiz zurückkehren. Er geriet in immer größere Verwirrung und machte einen ersten Selbsttötungsversuch. Interniert in einem Schweizer Arbeitslager, drohte ihm die Ausweisung nach Deutschland. Als er 1942 von der Deportation seiner Mutter erfuhr, warf er sich vor einen Zug und starb an den Verletzungen.
So berichtet es ein Verwandter in einem Erinnerungsbericht.





Quellen:

Privatarchiv Gudrun Goeseke

http://www.gedenkbuch.halle.de
Volkhard Winkelmann und Schülerprojekt "Juden in Halle" des Südstadt-Gymnasiums Halle (Hrsg.)
"Unser Gedenkbuch für die Toten des Holocaust in Halle"
Halle 2004, 2. Auflage, weitere Aktualisierungen eingeschlossen