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Seebener Straße 177

Hier wohnten
Eduard Graf, Clara Graf geb. Pollak und Dr. Irene Schulze geb. Graf

Eduard Graf war Eigentümer der 1889 erbauten Villa Seebener Straße 177. Er wohnte hier mit seiner Frau Clara und den Kindern Curt, Gertrud, Elly und Irene. Die Kaufmannsfamilie war Inhaber von "Betten-Graf", einem Fachgeschäft Marktplatz 10/11.
Im Zuge der „Arisierung“ jüdischer Geschäfte ging das Fachgeschäft 1938 in den Besitz des angrenzenden „Textilhaus Otto“ über. Am 28. Dezember desselben Jahres nahm sich der 70-jährige Eduard Graf das Leben. Eine Woche später verließ sein 42-jähriger Sohn Curt das Land und flüchtete nach Havanna. Auch Tochter Elly gelang die Flucht nach Schweden. Clara Graf musste ihr Haus verlassen und kam vorübergehend in der Marienstraße 20 bei ihrer Tochter Irene unter - bis sie folgende Aufforderung erreichte:
"Auf Anordnung der Aufsichtsbehörde haben Sie am 19.September 1942 Ihren Wohnsitz nach Theresienstadt zu verlegen. Sie werden dort in einer Gemeinschaftsunterkunft untergebracht."
Einen Tag vor der angekündigten Deportation nahm sich die 70-Jährige das Leben.
Am 7.Oktober 1943 folgte auch Tochter Irene ihren Eltern in den Tod. Tochter Gertrud verh. Blüthner wurde am 18.Februar 1945 von Leipzig nach Theresienstadt deportiert. Sie überlebte.

 


Quellen:

Privatarchiv Gudrun Goeseke

http://www.gedenkbuch.halle.de
Volkhard Winkelmann und Schülerprojekt "Juden in Halle" des Südstadt-Gymnasiums Halle (Hrsg.)
"Unser Gedenkbuch für die Toten des Holocaust in Halle"
Halle 2004, 2. Auflage, weitere Aktualisierungen eingeschlossen