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Emil-Abderhalden-Str. 6 (ehem. Wilhelmstrasse)

Julius Baumann
Quelle: Centralbl.f.d.Zuckerindustrie, 1932

Hier wohnten Frieda Hirsch und Johanna Baumann geb. Hirsch

Dr. Julius Baumann, geb. am 29.10.1864 in Berlin, war Direktor der Zuckerraffinerie Halle. Nach seiner Pensionierung zog er mit seiner Frau Johanna aus der Wohnung Raffineriestraße 27 in die Wilhelmstraße 6 (heute Emil-Abderhalden Str.). Hier starb er am 27.5.1939. Wegen seiner jüdischen Herkunft erschienen weder Nachruf noch Biographie, obwohl er einer der bedeutendsten Zuckertechniker seiner Zeit war. Seine Witwe wohnte dann weiter in der gemeinsamen Wohnung mit ihrer älteren unverheirateten Schwester Frieda Hirsch und nach dem Tod von Paul Weinzweig, einem Kollegen aus dem Direktorium der Zuckerraffinerie, ab 1940, auch mit dessen Witwe, Elise Weinzweig. Die beiden Kinder der Weinzweigs waren bereits 1939 nach England emigriert.
Nachdem die nationalsozialistischen „Rassegesetze“ Juden und „Ariern“ verboten unter einem Dach zu wohnen, mussten die Schwestern Hirsch im Januar 1941 ihre Wohnung verlassen und in das angebliche „Altersheim“ auf dem Grundstück des Jüdischen Friedhofs Dessauer Straße ziehen. Elise Weinzweig musste im November 1941 in das „Judenhaus“ Harz 48 und im Mai 1942 ebenfalls in die Boelckestraße ziehen. Dieses „Altersheim“ genannte Haus diente in Wahrheit als Sammellager für die Deportationen. Am 19.September 1942 wurden die drei Frauen zusammen mit 69 weiteren jüdischen Hallensern ins Ghetto Theresienstadt gebracht. Dort starb Johanna Baumann 62-jährig am 13.Januar 1943. Ihre Schwester Frieda starb einen Monat später, am 21.Februar 1943. Sie war 74 Jahre alt. Elise Weinzweig überlebte und wurde im Februar 1945 mit einem Evakuierungszug des Roten Kreuzes in die Schweiz gebracht. Von dort ging sie zu ihrer Tochter nach London und ist später auch dort verstorben.
Über das Schicksal der beiden Söhne von Julius und Johanna Baumann ist bisher nichts bekannt.



 


Quellen:

Privatarchiv Gudrun Goeseke

http://www.gedenkbuch.halle.de
Volkhard Winkelmann und Schülerprojekt "Juden in Halle" des Südstadt-Gymnasiums Halle (Hrsg.)
"Unser Gedenkbuch für die Toten des Holocaust in Halle"
Halle 2004, 2. Auflage, weitere Aktualisierungen eingeschlossen