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Benkendorfer Straße 78

Henriette Sauer
Foto: Gedenkbuch

Hier wohnte Henriette Sauer geb. Flatow

Henriette Sauer geb. Flatow wurde am 1.März 1885 in Könnern geboren. Sie heiratete den Schlosser Otto Sauer und hatte mit ihm vier Söhne.
1942 wurden die Eheleute verhaftet und vor dem Landgericht Halle wegen "Kuppelei" und "Gewährung der Gelegenheit zur Unzucht" angeklagt. Ihr "Vergehen": Sie hatten zugelassen, dass sich einer ihrer Söhne mit seiner Freundin (und späteren Ehefrau) in der elterlichen Wohnung traf. Grundlage der Verhaftung war vermutlich eine Denunziation.
Der nichtjüdische Ehemann kam nach einer Gefängnisstrafe wieder frei. Seine jüdische Frau wurde ins KZ Auschwitz deportiert. Die Gestapo ließ Otto Sauer über den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde schriftlich mitteilen, "…dass Ihre Ehefrau am 27.März 1943 an Anämie verstorben ist". Die Einäscherung der 58-Jährigen sei, wie auch die Urnenbeisetzung, bereits "auf Staatskosten" erfolgt. Eine angekündigte Übersendung der Sterbeurkunde erfolgte nicht. Sie wurde erst 1998 bei den Recherchen des Schülerprojekts "Juden in Halle" des Südstadt-Gymnasiums im Archiv des KZ Auschwitz gefunden. Dort ist als Todesursache "Pneumonia" angegeben.


 


Quellen:

Privatarchiv Gudrun Goeseke

http://www.gedenkbuch.halle.de
Volkhard Winkelmann und Schülerprojekt "Juden in Halle" des Südstadt-Gymnasiums Halle (Hrsg.)
"Unser Gedenkbuch für die Toten des Holocaust in Halle"
Halle 2004, 2. Auflage, weitere Aktualisierungen eingeschlossen