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Albert-Schweitzer-Str. 54 (ehem. Zeppelinstr.)

Else und Albert Müller mit Sohn Hans Joachim, 1916
Quelle: Gedenkbuch


Hier wohnten                                                              

Dr. jur. Albert Müller
Else Müller geb. Baer
Emil Müller
Lucie Helft, gesch. Stern, geb. Heinemann

Albert Müller wurde am 14. März 1878 in Halle geboren. Er besuchte das Stadtgymnasium, studierte Jura in Würzburg und Leipzig, eröffnete in Halle eine Anwalts- und Notarpraxis und heiratete 1911 Else Baer, geboren am 27.Juli 1887 im westfälischen Hamm. 1913 wurde Sohn Hans-Joachim, 1920 Tochter Irmgard geboren. Albert Müller nahm als deutscher Soldat am 1.Weltkrieg teil und hatte durch eine Verwundung ein Bein verloren. Eine Bauakte von 1926 weist den Rechtsanwalt und Notar Dr. jur. Albert Müller als Eigentümer des Hauses Zeppelinstraße 54 aus.

Sein jüngerer Bruder Emil Müller, ebenfalls in Halle geboren am 7.Juli 1880, war Besitzer der  Lederwarenfabrik E. Müller & Co OHG. Er war unverheiratet, wohnte zunächst bei seinen Eltern, aber nach deren Tod bei seinem Bruder.

1934 gelang dem 21-jährigen Hans-Joachim Müller die Flucht über Panama in die USA.

1938 gehörten Albert und Emil Müller zu den jüdischen Männern, die im Zuge der Pogromnacht am 10. November 1938 verhaftet und in das KZ Sachsenhausen gebracht wurden. Das dortige Sterberegister weist für den 20. Dezember 1938 den Tod des 58-jährigen Emil Müller durch „Schlaganfall“ aus. Der invalide Albert Müller überlebte und wurde ab Dezember 1938 in Halle zu Zwangsarbeit u.a. im Straßenbau verpflichtet.

Weitere Hausbewohner waren bis 1939 noch Hans Helft-Brummer (geb. 5. Aug. 1895, Miteigentümer der Kaufhäuser Alex Michel und Brummer &. Benjamin), der im Juni 1939 nach Chile flüchtete und die geschiedene Lucie Stern geb. Heinemann, geboren am 13. März 1897 in Hannover.

Ab 1940 erscheint in den Akten Dipl.-Ing. Edmund Grübler, NSDAP-Mitglied seit 1932, als Hauseigentümer. Albert und Else Müller sind jetzt im Haus Händelstraße 3 gemeldet.

Lucie Stern wurde ins ‚Judenhaus’ Forsterstraße 13 eingewiesen. Hier traf sie auf den Vater von Hans Helft-Brummer, der ebenfalls seine Wohnung verloren hatte. Mitte 1942 begannen die Vorbereitungen für eine ‚Umsiedlung der Juden nach Osten’. Keiner der Betroffenen wusste wohin die Reise gehen wird und was sie am Ziel erwartet. Um sich Beistand zu geben und bei der ‚Umsiedlung’ nicht auseinandergerissen zu werden, gab es kurz vor der Deportation noch etliche Eheschließungen.  So auch zwischen der 45-jährigen Lucie Stern und dem 68-jährigen Cuno Helft.

Am 1.Juni 1942  wurden der 64-jährige Albert und die 54-jährige Else Müller, Schwägerin Henny Müller [→ Rathenauplatz 3], Lucie und Cuno Helft [→ Universitätsring 19/20]  sowie 150 weitere  Juden von Halle aus ins Vernichtungslager Sobibor deportiert und sofort am Ankunftstag, dem 3.Juni 1942, mit Gas ermordet.

 


Quellen:

Volkhard Winkelmann und ehemaliges Schülerprojekt "Juden in Halle" des Südstadt-Gymnasiums Halle [Hrsg.] : Unser Gedenkbuch für die Toten des Holocaust in Halle, 3. Auflage, 2008