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Wörmlitzer Straße 108




Hier wohnten

Alfred Goldmann

Jenny Goldmann geb. Marcuse

Der Kaufmann Alfred Goldmann wurde am 31. Juli 1860 in Altewalde / Schlesien geboren, seine Frau Jenny am 17. Dezember 1862 in Stargard / Pommern. Ein Sohn der Nachbarsfamilie erinnert sich, die Goldmanns Oma und Opa genannt zu haben:

„Sie sind mir als liebevolle, gütige Menschen im Gedächtnis. Für uns Kinder hatten sie immer Zeit und trotz des Mangels in den Kriegsjahren, auch immer eine Nascherei. Ich erinnere mich allerdings auch daran, daß ein anderer Hausbewohner im Treppenhaus Plakate an die Wand klebte, die so gräßlich waren, daß ich als Kleinkind Angst davor bekam. Die Bilder sind mir noch jetzt im Gedächtnis: eines mit vielen Ratten, ein anderes mit einem häßlichen Mann mit Hakennase und Hängelippen. Die Bedeutung dieser ‚Dekoration‘ unseres Treppenaufganges war mir seiner Zeit natürlich noch nicht bewußt. Ich weiß noch, daß Goldmanns eines morgens nicht mehr da waren und fremde Männer Möbel und Hausrat aus der Wohnung trugen. Man sagte uns damals, Goldmanns wären ins Altersheim gezogen.“

Der Zwangsumzug erfolgte zuerst in das von der Gestapo als „Judenhaus“ deklarierte Gebäude Am Steintor 18, ab Mai 1941 dann in das als „Altersheim“ deklarierte Sammellager auf dem Jüdischen Friedhof Dessauer Straße 24 (damals Boelckestraße). Dort starb die 78-jährige Jenny Goldmann am 5. Juni 1942. Der 82-jährige Alfred Goldmann wurde am 27. Februar 1943 ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Er starb  am 14. April 1943.

 


Quellen:

Lothar Biener, Brief vom 19.9.2011.

Volkhard Winkelmann und ehemaliges Schülerprojekt "Juden in Halle" des Südstadt-Gymnasiums Halle [Hrsg.] : Unser Gedenkbuch für die Toten des Holocaust in Halle, 3. Auflage, 2008
http://www.gedenkbuch.halle.de/gbdatensatz.php?num=120http://www.gedenkbuch.halle.de/gbdatensatz.php?num=121