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Lafontainestraße 4

Schönbach in Shanghai
Quelle: Familienbesitz Manfred Worm

Hier wohnte 

Leo Schönbach

Leo Schönbach wurde am 30.September 1892 als jüngstes von drei Kindern in Leipzig geboren. Die Eltern stammten aus Czernowitz/Bukowina (damals Habsburgmonarchie, heute Ukraine). Der Vater, Schaul Hersch gen. Hermann Schönbach, war in Halle der Inhaber von “S. H. Schönbach - Haus- und Küchengeräte”, Schmeerstraße 1 (heute Stadthaus). Er starb 1928, seine Frau Anna Schönbach geb. Adler 1938. Beide Gräber befinden sich auf dem Alten Jüdischen Friedhof, Humboldtstraße 52.

Während der ältere Bruder das väterliche Geschäft übernahm, erhielt Leo eine Musikausbildung am Konservatorium Leipzig. Nach einer Anstellung als Solocellist am Herzoglichen Hoftheater Altenburg, wurde er 1917 Chordirektor, später Solorepetitor und Kapellmeister am Stadttheater Halle. Ab 1924 freiberuflich als Cellist, Kapellmeister und Musiklehrer  tätig, war er auch ein gefragter Piano-Begleiter auf Konzerttourneen namhafter Sänger.

Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde er 1935 aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen und ein Auftrittsverbot für alle deutschen Bühnen über ihn verhängt. Nun blieb ihm nur noch der Jüdische Kulturbund als Betätigungsfeld, wo er die Leitung der Jüdischen Chorvereinigung übernahm, vielerlei Veranstaltungen initiierte an denen er auch als Mitwirkender teilnahm. So begleitete er beispielsweise die bekannte jüdische Sängerin Beatrice Freudenthal-Waghalter auf einer Konzerttournee durch Synagogengemeinden in ganz Deutschland. Erhalten sind Programmzettel von Auftritten in Berlin, Ulm, Nürnberg, Hamburg, Hannover, Stuttgart, Magdeburg, Koblenz und Halle. Ab 1937 war er auch musikalischer Leiter der Leipziger jüdischen Kleinkunstbühne DER BUNTE KARREN, die auch in Halle auftrat.

1938 erging an Leo, Jakob  und ihre Schwester Regina Schönbach die Aufforderung, Deutschland umgehend zu verlassen. Alle Versuche, ein Visum zu erhalten, scheiterten jedoch an Geldmangel. Auch der Versuch eines illegalen Grenzübertritts nach Holland missglückte. Mit Hilfe des jüdischen Auswandererhilfsfonds und dem Erlös des Zwangsverkaufs des elterlichen Wohnhauses, Lafontainestraße 4, gelang Leo und Jakob Schönbach am 11. März 1939 die Flucht in den Stadt-Staat Shanghai, dem einzigen Ort in der Welt, an dem mittellose Emigranten eine visafreie Zuflucht finden konnten. Schwester Regina, sowie Jakobs Frau und Tochter folgten wenig später nach.

Obwohl den Emigranten die schwierigen Lebensbedingen in Shanghai zu schaffen machten, schufen die Künstler ein reiches kulturelles Leben. Leo Schönbach wurde musikalischer Operettenleiter im "Russian Club-Theatre", er dirigierte Kálmans Operette DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN und (mit Alfred Dreifuß als Regisseur) auch Opernaufführungen. Mitten in den Proben zur CAVALLERIA RUSTICANA erlitt Leo Schönbach am 4.Februar 1945 einen Gehirnschlag. Mehrere hundert Freunde, Kollegen, Schüler und japanische Offiziere kamen zur Trauerfeier. Nachrufe bezeichneten ihn als "König der Operette in Shanghai“ und „wo er ging und was er anfasste, gewann wie durch Zauberhand Glanz und Leben." Bei der Opernpremiere von CAVALLERIA RUSTICANA erhob sich das Publikum zu einer Gedenkminute von den Plätzen.

Nach dem Untergang des NS-Regimes kehrte Jakob Schönbach mit Frau, Tochter, Schwiegersohn und Enkel nach Halle zurück. Regina Schönbach ging in die USA, wo sie 1970 in Oakland/California starb.

Seit 1999 erinnert in Halle-Wörmlitz der Leo-Schönbach-Weg an den Musiker.

Ein Leben für die Musik – Auf den Spuren von Leo Schönbach  
Ein Film von Markus Reiniger und Henning Grabow.
Entstanden im Rahmen des Projekts "Stolpersteine - Filme gegen das Vergessen" des Masterstudiengangs MultiMedia & Autorschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 2015. HIER >>>





 


Quellen:

Manfred Worm, Persönliche Mitteilungen an Verein Zeit-Geschichte(n) .

Margrit Lenk, Materialsammlung zu Leo Schönbach.

Volkhard Winkelmann und ehemaliges Schülerprojekt "Juden in Halle" des Südstadt-Gymnasiums Halle [Hrsg.] : Unser Gedenkbuch für die Toten des Holocaust in Halle, 3. Auflage, 2008.
http://www.gedenkbuch.halle.de/gbdatensatz.php?num=395