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Franckestraße 12 (ehemals 17)

Dorothea und Julius Pfifferling
Foto: privat


Viehhandlung Pfifferling
Franckestr.17
Foto: privat
 

Tafel auf dem Jüdischen Friedhof Dessauer Straße
(Foto: Heidi Bohley)

Hier wohnte Familie Pfifferling

Wo sich heute der Aufgang zur Nr.12 eines DDR-Plattenbaus befindet, stand früher ein Haus mit der Zählung Nr.17. Es war Wohnhaus und Sitz der „Vieh-Handlung S. Pfifferling“. Nach dem Tod von Sender Pfifferling führten seine Söhne das Geschäft weiter.

Sender und Emilie Pfifferling hatten sieben Kinder:
Adolf (*1878) starb 1927, Meta (*1876) starb 1936 und Selma (*1881) starb 1938 eines natürlichen Todes: Paula, Julius und Fritz wurden Opfer des Holocaust.
Nur Karl überlebte. Ihm gelang 1939 mit Frau und Kindern die Flucht in die USA.

Julius („Jule“) Pfifferling, geboren am 21. Juni 1883 in Wanfried/ Hessen diente als deutscher Soldat im 1.Weltkrieg. Seine Nichte Hildegard Samenfeld (Karls Tochter) schilderte ihn als freundlichen, sanften Menschen, der sich gern mit Freunden in einer nahe gelegenen Kneipe zum Kartenspiel traf. 1933 wurde das Viehgeschäft aus dem „Mitteldeutschen Verein des Pferdehandels“ ausgeschlossen und nach dem Berufsverbot 1937 mussten die Brüder Pfifferling den Viehhandel einstellen. Am 25. April 1938 gehörte Julius Pfifferling zu den 13 halleschen Juden, die im Rahmen der „ASR-Aktion“ festgenommen und ins KZ Buchenwald gebracht wurden. Diese willkürlichen Festnahmen dienten der Abschreckung und sollten andere Juden zum Weggang aus Deutschland bewegen. Julius Pfifferling erhielt in Buchenwald die Häftlingsnummer 2870 und musste im Steinbruch arbeiten. Drei Wochen nach der Einlieferung ins KZ wurde der 54-Jährige am 16. Mai 1938 angeblich „auf der Flucht“ erschossen. Die Polizei übergab der Familie seine Urne und ließ sie für die Einäscherungskosten aufkommen. Da eine Urnenbeisetzung auf jüdischen Friedhöfen traditionell nicht vorgesehen ist, wurde von der Gemeinde für diese Unglücklichen auf dem Jüdischen Friedhof Dessauer Straße eine Sondergrabanlage angelegt.

Seine Frau Dorothea und sein jüngster Bruder Friedrich (Fritz) Pfifferling (*2.11.1889 in Halle) flüchteten am 25.4.1939 per Schiff nach Shanghai, dem einzigen Ort, der Flüchtlinge visumfrei aufnahm. Unter elenden hygienischen Bedingungen grassierten dort viele Krankheiten und Fritz starb 52-jährig am 1.10.1942. Dorothea überlebte das Ghetto in Shanghai und übersiedelte später nach England.

Schwester Paula Pfifferling (*1879) lebte mit ihrem Mann Julius Rosenberg in Siegen/Westfalen. Sie hatten drei Kinder. Im Juli 1942 wurde das Ehepaar  ins Ghetto Theresienstadt und im September 1942 ins Vernichtungslager Treblinka deportiert. An sie erinnern zwei STOLPERSTEINE in Siegen, Sandstraße 167. Zwei ihrer Kinder gelang die Flucht nach den USA und Chile.
Tochter Lotte Rosenberg emigrierte 1939 mit Mann und Tochter nach Frankreich. 1942 wurde die Familie von dort nach Auschwitz deportiert und ermordet.




Shanghai - Zuflucht und Wartesaal. Hallesche Juden im Exil.
Ein Film von Fabian Lamster, Stefan Michel, Marie Schultz (2017, 30 Min)
Entstanden im Rahmen des Projekts "Stolpersteine - Filme gegen das Vergessen" des Masterstudiengangs MultiMedia & Autorschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 2017. HIER >>>


Quellen:

Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Deutschland (1933-1945) (http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/)

Schwab, Sabine
Lebenslinien − Erinnerungen an die Familien Gembicki / Kemlinski und Schwab, unveröff. Manuskript (Stand 2.Juni 2013)

Winkelmann, Volkhard  und ehemaliges Schülerprojekt "Juden in Halle" des Südstadt-Gymnasiums Halle: Gedenkbuch für die Toten des Holocaust in Halle
(http://www.gedenkbuch.halle.de/gbdatensatz.php?num=102)

Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus im Kreis Siegen-Wittgenstein

Chemnitzer STOLPERSTEINE

Samenfeld, Gary (USA): Privatarchiv