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Franckestraße 12 (ehemals 17)

Dorothea und Julius Pfifferling
Foto: privat


Viehhandlung Pfifferling
Franckestr.17
Foto: privat

Hier wohnte 

Julius Pfifferling

Wo sich heute der Aufgang zur Nr.12 eines DDR-Plattenbaus befindet, stand früher ein Haus mit der Zählung Nr.17. Es war Wohnhaus und Sitz der „Vieh-Handlung S. Pfifferling“. Nach dem Tod von Sender Pfifferling führten seine vier Söhne das Geschäft weiter. Eines der insgesamt sieben Geschwister war der am 21. Juni 1883 in Wanfried / Hessen geborene Julius („Jule“) Pfifferling, deutscher Soldat im 1.Weltkrieg. Seine Nichte Hildegard Samenfeld (1922-2008, USA) schildert ihn als freundlichen, sanften Menschen, der sich gern mit einigen Freunden in einer nahe gelegenen Kneipe zum Kartenspiel traf. 1933 wurde das Viehgeschäft aus dem „Mitteldeutschen Verein des Pferdehandels“ ausgeschlossen und nach dem Berufsverbot 1937 mussten die Brüder Pfifferling den Viehhandel einstellen. Am 25. April 1938 gehörte Julius Pfifferling zu den 13 halleschen Juden, die im Rahmen der „ASR-Aktion“ festgenommen und ins KZ Buchenwald gebracht wurden. Die Juden sollten durch willkürliche Festnahmen angeblich „Arbeitsscheuer“ zum Weggang aus Deutschland bewegt werden. Julius Pfifferling erhielt in Buchenwald die Häftlingsnummer 2870 und musste im Steinbruch arbeiten. Drei Wochen nach Einlieferung wurde der 54-Jährige am 16. Mai 1938 „auf der Flucht erschossen“. Seine Witwe Dorothea emigrierte 1939 nach Shanghai und später nach England.




Quellen:

Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Deutschland (1933-1945) (http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/)

Schwab, Sabine
Lebenslinien − Erinnerungen an die Familien Gembicki / Kemlinski und Schwab, unveröff. Manuskript (Stand 2.Juni 2013)

Winkelmann, Volkhard  und ehemaliges Schülerprojekt "Juden in Halle" des Südstadt-Gymnasiums Halle: Gedenkbuch für die Toten des Holocaust in Halle
(http://www.gedenkbuch.halle.de/gbdatensatz.php?num=102)