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Geiststraße 1

Gedenktafel
Iduna-Haus, Franckestraße


Hier wohnte in der 3. Etage

Bella Traubkatz geb. Feuchtwanger

Bella Feuchtwanger wurde am 27. Mai 1891 in München geboren. Sie war das sechste von neun Kindern des jüdisch-orthodoxen Margarinefabrikanten Sigmund Feuchtwanger und seiner Frau Johanna. Der Schriftsteller Lion Feuchtwanger war einer ihrer älteren Brüder, wie auch der Journalist und Verleger Martin Feuchtwanger, der 1910 von München nach Halle übersiedelte und hier seinen erfolgreichen Korrespondenzverlag und den Fünf-Türme-Verlag gründete. Bella heiratete einen Rabbi namens Traubkatz. Über ihn, sein Schicksal und seine Rolle in Bellas Leben ist bisher nichts bekannt. Nach dem Tod der Mutter 1926 besorgte Martin seiner Schwester eine Wohnung in Halle. Das Adressbuch von Halle führt sie unter dem Namen Feuchtwanger, Bella, Redakteurin. Bella arbeitete im Verlag des Bruders und auch hier nannten die Mitarbeiter sie „Fräulein Feuchtwanger“. Nach Theaterbesuchen mit Bruder Martin (der sich auch als Theaterkritiker betätigte) kam es oft noch zu geselligen Runden in Bellas nahegelegener Wohnung. Dem jungen Mädchen, das Bella im Büro am Schreibtisch gegenübersaß und ab und an von ihr zum gemeinsamen Musizieren eingeladen wurde, gefiel es bei den Feuchtwangers: „Die ganze Familie (ich lernte später noch mehrere Geschwister kennen) war natürlich und unterhaltsam, so daß keine sogenannten Verlegenheitspausen auftreten konnten.“

Bereits 1933, nach mehreren Festnahmen und Morddrohungen, verließ Martin Feuchtwanger die Stadt und ging nach Prag. Auch hier war er mit einem neuen Verlag erfolgreich und residierte am Barrandov-Hügel, einer wohlhabenden Gegend, in der sich auch die berühmten Filmstudios befanden. 1935 folgte Bella dem Bruder auch nach Prag und nahm dort die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft an wodurch es gelang, noch ein paar Mal nach Deutschland zu reisen. Ihr heute in England lebender Neffe Edgar Feuchtwanger erinnert sich, dass er im September 1937 mit Tante Bella von München nach Berlin fahren durfte. Es war „das einzige Mal, dass ich als Kind aus Oberbayern herauskam. Man konnte mit ihr viel lachen und ich hatte sie sehr gern.“

Martin Feuchtwanger beschreibt in seinen Erinnerungen neben einer Hausdurchsuchung in der halleschen Wohnung seiner Schwester auch den Prager Abschied im April 1939, als es ihm gelang, mit einem illegalen Transport nach Palästina zu flüchten: „Meine Schwester Bella sagte unter Tränen: ‚Ich werde alles liquidieren und dann nachkommen.’“ Der Plan misslang. Am 8. Mai 1943 wurde Bella Feuchtwanger nach Theresienstadt deportiert, wo sich die Spur der 52-Jährigen verliert. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt. Die Familien ihrer acht Geschwister fanden Zuflucht in sicheren Ländern. Martin Feuchtwanger starb 1952 in Tel Aviv.



Quellen:

Feuchtwanger, Edgar
Brief an Ingeborg von Lips, Privatarchiv Lips

Feuchtwanger, Martin           
Zukunft ist ein blindes Spiel – Erinnerungen, Frankfurt/Main, 1992.

Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Deutschland (1933-1945) (http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/)

Hallesches Adressbuch 1930

Hoppe, Ilse
Erinnerungen an den Korrespondenzverlag Martin Feuchtwanger
in: Jüd. Gemeinde zu Halle (Hg.), 300 Jahre Juden in Halle, Halle 1992

Integrative Gesamtschule Halle
(http://www.igs-halle.de/igs/cms/front_content.php?idcat=73&idart=2113)

Lips, Ingeborg von
Informationen an den Verein Zeit-Geschichte(n) vom 25.9.2013

Lips, Ingeborg von (Hg.)
Kein falsches Bild – deutsch-jüdische Literatur und eine Universitätsstadt, Halle/Saale 2011

Stockschlaeder, Georg
http://ahnenreich.de/retrospect/juden/index.php?m=family&id=I130922&PHPSESSID=5d7ad25d2413647fe7624e8fccb88908