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Händelstraße 26


Hier wohnten

Dr. Hermann und Adele Jastrowitz geb. Jastrowitz

Der Mediziner Hermann Jastrowitz (*1882) heiratete 1920 seine Cousine Adele Jastrowitz (*1892 in Karlsbad/Karlovy Vary). 1921 kaufte er das Haus Händelstraße 26, eröffnete seine Arztpraxis und lehrte zusätzlich an der Universitätspoliklinik. Am Beginn der nationalsozialistischen Terrorherrschaft schützte den Arzt noch sein „Frontkämpferstatus“ aus dem 1. Weltkrieg, doch ab 1938 musste auch er den Davidstern an seiner Praxis anbringen, durfte sich nicht mehr Arzt nennen, sondern „Krankenbehandler“ für ausschließlich jüdische Patienten. Nach der Pogromnacht wurde er verhaftet und bis Dezember 1938 im KZ Buchenwald gefangen gehalten. Ziel war, die Betroffenen zum Verlassen des Deutschen Reichs zu zwingen. Jastrowitz suchte nach Arbeitsmöglichkeiten im Ausland, was sich hinzog, bis es zu spät war. Im November 1941 wurde das Ehepaar ins „Judenhaus“ Forsterstr. 13 eingewiesen, danach ins Jüdische Alten- und Siechenheim, Großer Berlin 8. Für den 27. Februar 1943 finden sich die Namen des 60-jährigen Hermann Jastrowitz und seiner 50-jährigen Frau Adele auf einer Deportationsliste mit der Bemerkung „Nach Osten abgewandert“, das hieß, Ermordung im Vernichtungslager Auschwitz. In einem Abschiedsbrief an ihre Hausangestellte hatte Adele Jastrowitz noch die Hoffnung: „Vergesst uns nicht, wir kommen wieder.“



Quellen:

Gedenkbuch des Bundesarchivs f. d. Opfer d. nationalsozialistischen Judenverfolgung in Deutschland

Stadtarchiv Halle, Nachlass Gudrun Goeseke

Steffen Schock: Der Arzt und Wissenschaftler Dr. med. Hermann Emanuel Jastrowitz (1882-1943), Thesen der Dissertation, Manuskript 2014

Volkhard Winkelmann und ehem. Schülerprojekt "Juden in Halle" des Südstadt-Gymnasiums: Gedenkbuch für die Toten des Holocaust in Halle - www.gedenkbuch.halle.de

Yad Vashem – Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer

Jan Wätzold: Erste Tafel gilt angesehenem Arzt, in: Mitteldeutsche Zeitung 9.11.2001