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Krausenstraße 10

Siegfried Stempel, 1940 im Gefängnis in Dresden
    Quelle: Archiv der Jüdischen Gemeinde zu Halle




Urnenruhestätte Jüd. Friedhof
Foto: Heidi Bohley


Hier wohnten

Rosa Stempel geb. Cerf, Charlotte Stempel und Siegfried Stempel

Rosa Cerf wurde am 12.12.1867 in Aken/Elbe geboren. Ob eine Verwandtschaft zu Elise Cerf (→ Turmstr. 156) besteht, ist nicht bekannt. Kurz nach ihrem 17. Geburtstag schenkte sie in Halle Tochter Charlotte (*30.12.1884) das Leben. Mit 19 heiratete sie und am 28.7.1888 kam Sohn Siegfried zur Welt. Siegfried muss man sich wohl als einen Menschen vorstellen, der nicht leicht einzuschüchtern war. Davon zeugen zwei Verurteilungen: 1938 „wegen groben Unfugs“ und 1940 „wegen täuschender Reklame“. Einmal soll er (vermutlich spöttisch) einen Nichtjuden mit „Heil Hitler“ gegrüßt haben, was Juden nicht zustand. Das andere Mal soll er verschwiegen haben, dass er für eine jüdische Firma Werbung macht. Siegfried Stempel wurde von 1938 bis 1940 in den KZ Dachau und Buchenwald inhaftiert, kurz vor seinem Tod auch in einem Dresdner Gefängnis. Schwester Charlotte gelang im Mai 1939 zwar die Flucht nach Shanghai, aber schon am 1.8.1940 nahm sich die 45-Jährige dort das Leben. Ob die Mutter davon erfuhr, ist nicht bekannt. Am 18.9.1940 starb ihr Sohn Siegfried 52-jährig im KZ Buchenwald. Der Mutter wurde die Urne per Post zugestellt und auf dem Jüdischen Friedhof beigesetzt. Heute bezeichnet eine Gedenktafel die dortige „Urnenruhestätte jüdischer KZ-Opfer“. Mit Beginn der Deportationen 1942 endete auch diese Praxis. Rosa Stempel wurde, nach Aufenthalten im „Judenhaus“ Hindenburgstr. 34 (heute Magdeburger Str.7) und dem „Altersheim“ genannten Sammellager auf dem Jüdischen Friedhof Boelckestr.24 (heute Dessauer Str.), am 19. September 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo die 74-Jährige wenig später, am 8. Oktober 1942, verstarb.

 

Shanghai - Zuflucht und Wartesaal. Hallesche Juden im Exil.
Ein Film von Fabian Lamster, Stefan Michel, Marie Schultz (2017, 30 Min)
Entstanden im Rahmen des Projekts "Stolpersteine - Filme gegen das Vergessen" des Masterstudiengangs MultiMedia & Autorschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 2017. HIER >>>



 


Quellen:

Gedenkbuch des Bundesarchivs f. d. Opfer d. nationalsozialistischen Judenverfolgung in Deutschland (1933-1945).

Stadtarchiv Halle, Nachlass Gudrun Goeseke

https://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Ghetto (eingesehen 31.10.2015).

Volkhard Winkelmann und ehem. Schülerprojekt "Juden in Halle" des Südstadt-Gymnasiums: Gedenkbuch für die Toten des Holocaust in Halle - www.gedenkbuch.halle.de

Zolnay, Robert: Shanghai, Zuflucht der Juden (In: Zeit-Online, 1.2.2012).