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  DIE TORGAUER HÄFTLINGSURNEN
   
 


Halle, 7.3. 2005

Zwischenstand Torgauer Urnen
Eine Mitteilung der Stadtverwaltung Halle:

In einem Beschluss vom 12. Januar 2005 hat die 2. Kammer des Verwaltungsgerichts Halle einen Antrag der Gemeinschaft ehemaliger politischer Häftlinge, Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V. abgelehnt, die von der Stadtverwaltung entfernte Hinweistafel auf dem Gertraudenfriedhof wieder anzubringen.
Aufgrund der Begründung des Gerichtsbeschlusses kann sich die Stadt in ihrem Verfahren,  vor einer weiteren Entscheidung zunächst den sachverständigen Rat von Historikern einzuholen, voll bestätigt sehen. Eine Berufung beim Oberlandesgericht wurde von diesem nicht angenommen.
 
Ursprünglich hatte der renommierte Zeithistoriker Prof. Dr. Lutz Niethammer, Ordinarius des Historischen Instituts der Universität Jena und Mitglied des Kuratoriums der Gedenkstätte Buchenwald, sich bereiterklärt, die Stadt als Leiter einer kleinen Gruppe spezialisierter Historiker bei der Lösung des Problems "Torgauer Urnen" zu unterstützen. Niethammer hatte sich bereits eingearbeitet und auch mit der Grabanlage auf dem Gertraudenfriedhof vertraut gemacht.
Wegen einer geplanten Auslandsreise im Auftrag des Goethe-Instituts war eine erste Sitzung dieser Gruppe für den Januar dieses Jahres ins Auge gefasst worden. Dazu ist es nicht gekommen. Leider ist Prof. Dr. Niethammer im Dezember plötzlich sehr schwer erkrankt, zieht sich aus allen Aufgaben und Ämtern zurück und wurde kürzlich emeritiert.
 
Inzwischen ist es gelungen, Herrn Prof. Dr. Christoph Kleßmann, Leiter des Zentrums für zeithistorische Forschung in Potsdam, als Leiter der Arbeitsgruppe zu gewinnen. Prof. Dr. Kleßmann ist Mitglied im Gedenkstättenbeirat des ehemaligen KZ Sachsenhausen und mit der Problematik und der Geschichte der KZ und der Sonderlager vertraut. Er hat  sich bereits mit Prof. Niethammer über den Erkenntnis- und Arbeitsstand ausgetauscht.
 
Die Berufung der Historikergruppe soll nach Rücksprache mit Prof. Kleßmann jetzt schnell stattfinden; gedacht ist an Vertreter der Gedenkstättenstiftungen aus Thüringen und Sachsen und an den Gedenkstättenbeirat Sachsen-Anhalt, die alle bereits ähnlich gelagerte Problematiken zu lösen hatten. Dazu könnten bei Bedarf für Einzelfragen Spezialisten hinzugezogen werden. Eine erste Sitzung mit Anhörung der Interessenverbände und Betroffenen wird Mitte April vorbereitet. Dazu werden auch Vertreter der Fraktionen eingeladen werden. Danach sollen die Experten den aktuellen Erkenntnisstand zusammentragen und prüfen, um zu einer Empfehlung für die Stadt zu kommen.
 
Franz Stänner
Pressesprecher der Stadt Halle