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  DIE TORGAUER HÄFTLINGSURNEN
   
 


Magdeburg, 14. Juni 2005

Opferverbände BSV und VOS an die OB und den Stadtrat von Halle

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir, die Opferverbände Bund der Stalinistisch Verfolgten und Vereinigung der Opfer des Stalinismus in Sachsen-Anhalt schließen uns den obigen Zeilen von Stadtrat Wolfgang Kupke vollinhaltlich an.

Der Vortrag von Sachsen-Anhalts Landesvorsitzenden Johannes Rink am 11.6.2005 vor den Teilnehmern des 9. Kongresses der Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen und der Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur  mit den Opferverbänden und Aufarbeitungsinitiativen über die Verschleppungstaktik oder Untätigkeit der Stadt Halle bezüglich der "Torgauer Urnen" löste bei den über 180 Teilnehmern - darunter auch viele Teilnehmer aus osteuropäischen, ehemals kommunistisch beherrschten Staaten - Empörung Unverständnis und Trauer, aber auch Zorn aus.

Unter den Teilnehmern waren viele, die sich zum Thema Torgauer Urnen an Frau OB Häußler in schriftlichen Statements gewandt hatten, dabei oft ergreifende Schicksale schilderten, die sich einhellig darüber beklagten, dass sie von der Frau OB Häußler bisher - nach nunmehr weit mehr als 8 Monaten - weder eine Eingangsbestätigung noch eine sonstige Rückäußerung bekamen.

Auch wir, als Träger der spendengespeisten Finanzierung wesentlicher Teile der Grabanlage und auch der entfernten INFO-Tafel, haben bisher von der Stadt Halle, seit dem Ankündigungsschreiben über die Entfernung der INFO-Tafel im vergangenen Sommer, noch keinerlei Antwort erhalten. Wir fragen Sie, sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Häußler und Sie, sehr geehrte Fraktionsvorsitzende in Halles Stadtrat, ist dieses Verhalten einer demokratischen Stadtverwaltung wirklich würdig?

Wir wiederholen unsere Feststellung aus unserem Brief vom 19.2.2005 an Frau OB Häußler, in welchem wir feststellten, dass das Verwaltungsgericht in seiner Urteilsbegründung bereits schon einmal einen Teil des Streitpunktes dahingehend entschärft hat, indem es auf Seite 8 feststellte, dass alle beigesetzten Toten den Schutz des Gräbergesetzes genießen - auch wenn darunter NS-Täter vermutet werden könnten - weil sie eindeutig Opfer des kommunistischen Regimes sind.

Wann, sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, sehr geehrte Fraktionsvorsitzende der demokratischen Parteien in Halles Stadtrat, gedenken Sie die  unwürdige, die Demokratie in unserem Lande beschämende und beschädigende Störung der Totenruhe im Gräberfeld 24 auf dem Halleschen Gertraudenfriedhof zu beenden und die gemeinsam zwischen allen Beteiligten seinerzeit einvernehmlich formulierte INFO-Tafel wieder anzubringen? Wie lange noch wollen Sie namhafte Persönlichkeiten und Opfer der kommunistischen Diktatur, Behördenleiter und Wissenschaftler, die Ihnen ihre Stellung zur unwürdigen "Totenschlacht" mitteilten, noch als unmündige "Deppen" behandeln, denen man keine Antwort zukommen lassen muss?

Wir stehen dabei auch heute zu unserer, gegenüber dem Verwaltungsgericht gegebenen Zustimmung zu einer - Irritationen ausschließenden Textergänzung - die dann allerdings durchaus der Auftakt zu kritischen Rückfragen in anderen Grabanlagen darstellen könnte.

Mit freundlichen Grüßen
im Auftrag der Opferverbände BSV und VOS
Wolfgang Stiehl


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