| Skandalchronik |
 
| zurück zum Thema |
  DIE TORGAUER HÄFTLINGSURNEN
   
 


4.10.2004

Kurt Weiss an die Stadt Halle (Saale)

Frau Oberbürgermeisterin Häußler

Sehr verehrte Frau Oberbürgermeisterin!

Wie ich höre, haben Sie es für richtig erachtet, die Informations-Tafel über die 117 Toten aus dem Sowjet-Zuchthaus Torgau, die in Halle eingeäschert worden sind und deren Urnen nach der Wende dort aufgefunden wurden, zu entfernen.

Ich bitte um Aufklärung, da einer der Ermordeten mein Kamerad Helmut Trotzer von den "Greußener Jungs" aus Greußen in Thüringen ist. Die "Greußener Jungs" waren 38 Jugendliche, die 1945/46 von den Sowjets verhaftet und als sogenannte Werwölfe verurteilt wurden. Die unmenschliche Folter und die Haft im NKWD-Gefängnis Sondershausen, Torgau, Bautzen und Waldheim haben nur 14 von 38 überlebt, obwohl ihre Unschuld schon 1948 fest stand.

Fragen an die Oberbürgermeisterin von Halle, Frau Ingrid Häußler:

Was hat Sie zu diesem pietätlosen Schritt veranlasst?
Welche Person hat Sie hierzu überredet oder erpresst?
Welche Rolle spielt hierbei ein gewisser Gerats (Genosse Jupp) der früher SED-Mitglied und Dozent an der Richterschule der DDR war?
Ist der Einfluss der SED bzw. deren Nachfolgeorganisation PDS in der Stadt Halle schon wieder so angewachsen, dass die Stadtverwaltung eine solche Instinktlosigkeit begeht?

Als Opfer des Stalinismus und einer der überlebenden "Greußener Jung" drücke ich Ihnen und allen Betreibern dieser Maßnahme meinen Abscheu aus!

Zur Vervollständigung Ihrer Kenntnisse über die Verbrechen des Kommunismus/Stalinismus empfehle ich Ihnen das Buch "Die Greußener Jungs" von Günter Agde sowie den Dokumentarfilm "Sechs Weihnachten" von Juliane Geick (falls in Halle nicht beschaffbar, stelle ich Ihnen gern eine Kopie leihweise zur Verfügung).

Mit freundlichen Grüßen (Unterschrift: Kurt Weiß)

Der Absender hat keine Antwort erhalten.